Nach Albanien zu steinernen Städten

Am Morgen ist die Ebene von KONITSA und dem AOOS angefüllt mit Nebelschwaden. Von unserem Aussichtsbalkon kurven wir die vielen Serpentinen hinunter in die Ebene, halten uns jedoch immer am Rand des Wolkenmeeres, das sich nur langsam auflöst.

Schnell sind wir an der Grenze und verlassen für einige Zeit Griechenland. Der albanische Zöllner ist freundlich, redet mit uns und ist stolz auf sein Land. (Er hat bestimmt noch nicht die europäische Zöllnerschule besucht.) Die Landschaft im Tal des DRINOS zeigt sich ganz verändert: Das Tal ist breit, die hoch aufragenden Berge der beiden Gebirgsketten sind karg und fast ohne Vegetation, an den Hängen kleben Dörfer.

Die erste Station in dem einst abgeschotteten Land ist die Stadt aus Stein: GJIROKASTRA, eine der albanischen Touristenattraktion und UNESCO-Weltkulturerbe. Kaum angekommen, schlendern wir schon stolpernd über das grobe Kopfsteinpflaster bergauf und bergab durch die engen Gassen. Einige der prächtigen Häuser sind vorbildlich restauriert, beherbergen nun Museen oder bieten Gästen eine stilvolle Unterkunft. Doch manchen Eigentümern ist diese Last zu viel oder sie haben einfach kein Geld für den teuren Unterhalt. So verfallen viele der steinernen Monumente. Für unsere Übernachtung zwängen wir unseren Dicken durch die engen Gassen hinauf auf einen Aussichtsplatz. Zwei Alte, der eine führt sein Schaf am Strick durch die Gassen, der andere macht mit seinem 2-jährigen Urenkel einen Abendspaziergang, besuchen uns und „nötigen“ uns zu einem großen Glas Raki.

Anderntags erklimmen wir auf enger aber guter Straße den Hang auf der Gegenseite von GJIROKASTRA, um zu den Ruinen von ANTIGONEA zu gelangen. Der Hilfsaufseher spurtet schon zum Kassenhäuschen, um uns pünktlich um 9 Uhr einzulassen. Der Hauptaufseher kassiert 200 Lek und rückt auf Nachfrage einen ausführlichen Übersichtsplan des Geländes heraus. Der Molosserkönig Pyrrus gründete 295 v. Chr. die Stadt auf einem Hochplateau über dem DRINOS-TAL und benannte sie nach seiner Frau. Das riesige Gelände mit den Fragmenten der vier Kilometer langen Stadtmauer lässt die einstige Bedeutung der Ansiedlung erahnen. Doch als die Römer den makedonischen König Phillipp V. besiegten, nahmen sie auch an dessen langjährigen Bündnispartnern Rache, verwüsteten 167 v. Chr. neben ANTIGONEA auch weitere siebzig illyrische Städte und versklavten die Einwohner. So ist bis auf ein paar Mauer- und Säulenreste von der einst prächtigen Stadt heute nicht mehr viel zu sehen. Da ist es gut, dass die mächtigen, alleine stehenden Eichen dem alten Ort eine gewisse Würde und verwunschene Ausstrahlung verleihen.

9 Gedanken zu “Nach Albanien zu steinernen Städten

    • Das ist wohl mit den Orten so, wo alle paar Jahre neue „Herren“ kommen: Türken, Kreuzfahrer, Osmanen, Römer, Griechen, Italiener, Engländer (die nur in der Luft), und natürlich auch Deutsche. Aber viele Albaner, die wir treffen sind stolz auf ihr Land und voller Zuversicht, dass es jetzt schon gut ist und immer besser wird.

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