Rund um Korça, die Mutter Albaniens

Wir verlassen das Tal der VJOSA und wenden uns nach Norden. Die Straße wird schmaler und die Schlaglöcher mehren sich. LESKOVIC, schon auf 900 m gelegen, ist mit 4500 Einwohner die letzte größere Ortschaft, dann wird es einsam. Die schroffen Kalkberge der MALËSIA E NEMËRÇKËS tauchen hinter den Hügeln auf und begleiten uns noch ein Stück. Waldreiche Täler wechseln mit felsigen Gebirgsschluchten, weiten Ebenen und lichten Kiefernwäldern. Am Straßenrand leuchten die Pappeln im herbstlichen Gelb. In BOROVO konfrontiert uns ein Denkmal mit der deutschen Geschichte: In dem abgeschiedenen Dorf haben Gebirgsjäger 1943 in einer furchtbaren Vergeltungsaktion 116 ältere Menschen und auch Kinder hingerichtet.

Dann wagen wir uns in die Berge und erwarten viele Kilometer Piste. Doch wir werden überrascht: war die „Hauptstraße“ in schlechtem Zustand, so wird die „Nebenstrecke“ gerade wunderbar ausgebaut. Wir wollen nach VITHKUQ und VOSKOPOJA. Diese heute unscheinbaren Dörfer sind uralt, hatten im 18. Jh. 15 000 bzw. 30 000 Einwohner, waren die größten und bedeutendsten Handelsstädte des Balkens und lagen auf dem Karawanenweg zwischen Venedig und Istanbul. 1720 wurde die erste Druckerei des Balkan gegründet. Auch stand hier mit der „Akademia“ die einzige universitäre christliche Bildungseinrichtung im ganzen Türkenreich. 1789 war es mit dem Reichtum und der Macht vorbei, Osmanen zerstörten die Städte, die Einwohner flüchteten. Was von der einstigen Pracht blieb, sind unzählige Kirchen, manche nur Ruinen und arg heruntergekommen und in kommunistischen Zeit als Lagerraum genutzt, andere wiederum sind gut erhalten und restauriert. Und in einer wartet in der Gruft eines unscheinbaren Nebengebäudes eine kuriose Überraschungen.

Ein netter und freundlicher Bauleiter, den Peter auf einer Wanderung bei einer Kirche getroffen hatte, schwärmte von seiner Heimatstadt: KORÇA ist die schönste Stadt im Land und die Mutter Albaniens. Also machen wir uns auf den Weg. Zu unserer Beruhigung finden wir nach einigem Suchen einen bewachten Parkplatz und starten unseren Rundgang. Wir sind ganz gespannt und dann freudig überrascht, die Stadt gefällt uns ausgesprochen gut, sie ist lebendig und attraktiv. Rund um den alten Basar haben Händler in den Gassen ihre Stände aufgebaut und bieten neben Obst und Gemüse, Käse und Raki in Plastikflaschen, Fleisch und Fisch allerlei Dinge für den Haushalt an. So gefällt uns das. In den Parks sitzen die Männer und spielen leidenschaftlich Domino, in der Fußgängerzone flanieren Jung uns Alt, die Cafés sind bei dem herrlichen Wetter gut besucht und aus manchen unscheinbaren Lokalen riecht es verführerisch.

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