… nun schon zum elften Mal zu einer unserer ausgedehnten Winterreisen in den Süden. Wohin es genau geht, wissen wir noch nicht, jedenfalls nach Frankreich. Aber wie schon jedes Jahr beginnen wir unsere Reise gemächlich.
So machen wir bereits nach gut einer Stunde Fahrt im Nördlinger Ries Halt, am Fuße des geschichtsträchtigen Riegelbergs. Dies ist ein imposanter Megablock aus Kalkgestein des Oberen Jura. Hier treffen besondere geologische, archäologische und biologische Besonderheiten zusammen: der Steinbruch Fuchsloch mit seinen zertrümmerten Kalken aus dem Meteoriteneinschlag vor 15 Miollionen Jahren, die beiden Ofnethöhlen mit Relikten steinzeitlicher Besiedlung sowie die Grundmauern eines römischen Gutshofes. Vielleicht sind im Steinbruch sogar wieder Astronauten unterwegs, um die Gesteine des Meteoriteneinschlags als Vorbereitung auf eine mögliche Mondmission zu erkunden, wie schon die Besatzungen von Apollo 14 und Apollo 17. Eine Gruppe hatte jedenfalls oben am Steinbruch ihr Lager aufgeschlagen.







Auf der kleinen Hochfläche des Albuchs fand am 5. und 6. September 1634 eine entscheidende Schlacht des Dreißigjährigen Krieges statt. Der schwedisch-protestantischen Armee mit 16.000 Infanteristen, 9.260 Kavalleristen und 42 Kanonen stand die Katholische Liga mit 29.500 Infanteristen, 19.450 Kavalleristen und 32 Kanonen gegenüber. Die schwedischen Befehlshaber unterschätzten die zahlenmäßige Überlegenheit der katholischen Verbündeten, zu denen auch kampfstarke spanische Truppen zählten. Auch wegen strategischer Fehler unterlagen sie. Sie verloren nicht nur ihre Truppen, 8.000 Soldaten, und die gesamte Ausrüstung, sondern auch die Territorien in Süddeutschland und Franken.


Nördlingen, ein kleines beschauliches Städtchen mitten im Ries, verfügt noch über eine vollständig erhaltene Stadtmauer. Die Kirche wurde aus Trümmergestein des Meteoriteneinschlags erbaut, in dem winzig kleine Diamanten eingeschlossen sind.






Der nächste Halt ist Eselsburg. Eine Radtour führt in das wasserlose Tal der Lone und zur Schleife der Brenz um den Buigen. Die Steinernen Jungfrauen sind inzwischen ebenfalls in die Jahre gekommen und brauchen Klammern, um nicht auseinander zu fallen.




Auf einen der vielen Löwenpfade, der gut ausgeschilderten Wanderwege auf der Schwäbischen Alb, geht es über den Tälern von Ditz und Fils zu den Ruinen der Festung Hiltenburg. Die bewaldeten Hänge lassen kaum erahnen, wie steil sie sind, stellenweise fallen sie senkrecht ab. Der Laubwald versperrt meist den Blick ins Obere Filstal und nach Bad Ditzenbach, doch einige Felsen gewähren weite Ausblicke über die Täler.




Auf dem Schlossberg stehen die Reste der Festung Hiltenburg. Schon Kelten und Römer siedelten hier, bevor im 11. Jahrhundert die erste Burg erbaut wurde. Doch bereits 1516 ließ der erboste Ulrich von Württemberg die Burg anzünden.


Bei schönstem Wetter und inzwischen angenehmen Temperaturen um die 20 Grad fahren wir über die weiten Hochflächen der Alb und durch zahlreiche Täler zum Wanderparkplatz bei Anhausen. Die Große Lauter schlängelt sich gemächlich durch das beschauliche Tal. Gleich drei Burgruinen, Maisenburg, Wartstein und Monsberg, sicherten einst das Tal. Aus dem dichten Laubwald ragen zahlreiche Felsnadeln empor. Auf beiden Seiten des Tals erstreckt sich die Kernzone des Biosphärengebiets Schwäbische Alb. Hier greift der Mensch nicht mehr ein, der Wald bleibt sich selbst überlassen. In vielen Jahren wird er vielleicht wieder zu einem Urwald.







Liebe Susanne und lieber Peter,
ganz herzlichen Dank für Eure Mail mit der Nachricht, dass Ihr nun wieder für viele Tage wärmere südliche Gefilde unserem schon etwas herbstlich gewordenen und späteren winterlichen Klima vorzieht.
Gisi und ich wünschen Euch eine gute Zeit, schöne Erlebnisse mit Land und Leuten, eine sichere Fahrt und – wenn doch mal unerwartete schwierigere Erlebnisse zu bewältigen sind: gute Nerven und gutes Gelingen.
Wir freuen uns darauf, immer wieder mal Berichte von Euch zu erhalten, die sicher wieder schöne Fotos enthalten werden …
Also alles, alles Gute !!!
Übrigens: Euer erster Bericht hat mich auch deswegen sehr erfreut, da mir die Region des schwäbischen Ries von 1950 bis 1960 sehr vertraut war als Heimat meiner Familie am nördlichen Rand des alten Rieskraters: mein Vater war in diesem Jahrzehnt Lehrer im Dorf Hochaltingen, von wo aus wir immer den Daniel, den Turm der Stadtkirche in Nördlingen, sehen konnten und viele Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung machten … (zur Offnet-Höhle südlich von Nördlingen; zum Ipf, einem imposanten Tafelberg im Westen von Nördlingen bei Bopfingen … usw.)
Wir grüßen Euch ganz herzlich!!! 🙂✌️🤝
Reinhart mit Gisi
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