Der Gigant der Provence


Heute wagen wir uns auf den Mont Ventoux mit seinen 1909 m. Auf einer noch leicht mit Raureif bedeckten Straße erklimmen wir einen der drei Heiligen Berge der Provence. Da er meist windumtost ist, wird sein Name häufig als „Windiger Berg” gedeutet. Etymologisch bedeutet der Name jedoch „Der Berg, der von Weitem sichtbar ist”. Er wird uns die nächsten Tage und wohl Wochen immer wieder begleiten. Francesco Petrarca bestieg den Berg 1336. Seine Schilderung gilt manchen Forschern als Schlüsselmoment an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit und als Geburtsstunde des Alpinismus. Doch heute ist es windstill am Gipfel und sogar warm. Wir kennen den Berg auch anders, z.B. im Juli mit Mistral und Temperaturen nahe Null Grad. Ein anderes mal sind wir sogar ausgestiegen und haben wegen Nebels die Straße gesucht.

Am Nachmittag verlassen wir dann doch lieber den Berg, wir erwarten für die Nacht Minustemperaturen. Die Zeit reicht noch für eine Radrunde durch die Weinberge am Fuße des Berges. Die Römer waren natürlich auch schon wieder hier.


Am Morgen erwacht der Mont Ventoux.


Unser nächstes Ziel ist das beschauliche Beaumes-de-Venise. Hier werden wir, auch wetterbedingt, ein paar Tage bleiben. Eine Wanderung führt hinauf auf das Plateau des Courens. Dort stehen die Ruinen des Castellas de Durban mit Resten der Chapelle Saint-Michel. Etwas weiter leuchtet die frische renovierte Fassade der Chapelle Saint-Hilaire über den herbstlichen Weinreben. Die imposanten Felswände bilden die eindrucksvolle Kulisse für Notre-Dame d’Aubune, die am Fuß der Kette steht. Dem Teufel gefiel ihr Bau nicht. Erbost wollte er sie mit einem Felsen zerstören, dem Rocher du Diable. Doch Maria hielt den Stein mit ihrer Spindel auf.


Da nach einem Regentag wieder die Sonne scheinen, fahren wir nach Gigondas, damit Peter in den Dentelles de Montmirail wandern kann. Vom weitläufigen Wanderparkplatz geht es zum Aussichtspunkt Rocher du Midi. Von hier schweift der Blick weit über das Rhônetal, die Zacken des dolomitartigen Höhenzugs und wolkenfreien Mont Ventoux. Ein schmaler Steig führt direkt unter den senkrecht aufragenden Felswänden der Dentelles Sarrasines entlang. Leider ist der weitere Weg nach dem Rocher du Turc entlang der Felsnadeln zugewachsen. So steige ich zum Col du Cayron ab, wandere weiter zum Pas de l’Aigle und durch lichten Wald über den Höhenrücken der Grande Montagne zurück.


Nachdem uns das Wetter bisher meist verwöhnt hat, zeigt sich der November nun von seiner launischen Seite. Heute soll es fast den ganzen Tag regnen. Nach den gemütlichen Tagen in Beaumes-de-Venise fahren wir weiter in den berühmten Weinort Châteauneuf-du-Pape, der aber gar nicht so sehenswert ist. Ein Weingeschäft neben dem anderen, die meisten jetzt geschlossen. Wie schon auf unserer letzten Reise können wir direkt am ehemaligen päpstlichen Schloss stehen. Im Jahr 1944 zerstörten deutsche Soldaten den bis dahin noch intakten Turm, als sie bei ihrem Abzug das dort eingerichtete Waffen- und Munitionsager sprengten. Eine Regenpause nutzt Peter für einen Spaziergang durch die weiten Rebfelder zum Alten Schloss, das auf einem Felshügel über der Rhône thront.


Nach einer regnerischen Nacht verlassen wir unseren Aussichtsberg am päpstlichen Schloss. Im berühmten Weinort kaufen wir noch bei Bäcker, Metzger und im Supermarkt ein, bevor wir im anhaltenden Regen weiterfahren. In Pernes-les-Fontaines ist wegen des morgigen Marktes der Parkplatz gesperrt und in Fontaine-de-Vaucluse bleibt uns der einstige 2-Euro-Platz verwehrt. Dafür zeigt sich der weitläufige Platz in Cabrières-d’Avignon den Wohnmobilisten weiterhin wohlgesonnen. Langsam übernimmt die Sonne wieder das Regiment am Himmel. Peter macht sich auf den Weg zur Mur de la Peste. Die 25 Kilometer lange Mauer sollte im 18. Jahrhundert die Ausbreitung der Pest verhindern, was jedoch nicht gelang. Auch immer wieder auch faszinierend, die Mauern in den Olivenhainen.


Als wir aufbrechen, liegt noch dichter Nebel über dem Luberon. Je näher wir Gordes kommen, desto heller wird es, und als wir das weithin bekannte Zisterzienserkloster Notre-Dame de Sènaque erreichen, strahlt ein blauer Himmel über uns. Das Kloster liegt, wie so viele andere auch, abgeschieden und malerisch im trockenen Tal der Sénancole. Leider blüht der Lavendel nicht, der dem Ort noch eine besondere Note verleiht. Hier in der Einsamkeit sollte das Prinzip des „Alleinseins mit sich selbst“ zum Glauben führen. Peter wartet noch, bis die Sonne über die Berge kommt und macht einen Spaziergang durch das Tal. Nachdem uns der direkte Weg nach Gordes verwehrt ist, fahren wir über eine Hochfläche und finden bei Fontanille einen Aussichtspunkt für die Nacht mit weitem Blick über den Luberon. Und Janosch begleitet uns auch weiterhin.

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