Provenzalische Städtchen

Mit Blick auf das Rhônetal zu unserer Rechten fahren wir weiter nach Süden und biegen dann ein Stück in die Berge ab. Vor den Toren des beschaulichen Saoú können wir offiziell parken. Über uns erhebt sich der mächtige Gebirgsstock des Roche Colombe auf 886 Metern.Nach einem regnerischen Sonntag kehrt wieder Herbstwetter ein. Peter fährt mit dem Rad rund um den Wald von Saoû. Zunächst führt eine breite aber sehr schottrige Forststraße durch den bunten Laubwald über zehn Kilometer und 800 Höhenmeter hinauf, dann auf der anderen Seite die gleiche Strecke wieder hinab. Zum Abschluss umrunde ich noch den Roche Colombe, leider auf streckenweise sehr schlammigen Wegen.

Das schöne Herbstwetter bleibt uns erhalten und die Sonne taucht die Natur in prächtig leuchtende Farben. Wir sind in der Provence angekommen und steuern einen Ort an, in dem wir schon waren (wird nicht der einzige bleiben): Taulignan.

Da es am Morgen immer noch etwas frisch ist, startet Peter meist erst gegen Mittag. Die heutige Radtour führt über steinige Forst- und Wanderwege, vorbei an Lavendelfeldern und Weinbergen. Am Horizont erhebt sich der Mont Ventoux, das markante Wahrzeichen dieser Landschaft. Im pittoresken Grignan hat der Fürst seine Terrasse über der Kirche gebaut, damit klar war, wer hier das Sagen hatte. Besonders außergewöhnlich ist der Glockenturm in Chamaret, der über den Ruinen einer Burg auf einem Hügel hoch aufragt.

Wir fahren nach Nyons, um Olivenöl zu kaufen, von den nördlichsten Olivenhainen Frankreichs. Im Zentrum ist der Wochenmarkt, auf dem es verführerisch duftet. Außergewöhnlich ist die Kirche Tour Randonne. Im bekannten Geschäft bietet uns die Verkäuferin verschiedene Öl und Oliven zum Probieren an.

Wir fahren ein Stück weiter ins ruhigere Mirabel-aux-Baronnies. Von dort radelt Peter durch die nördlichsten Olivenhaine Frankreichs zurück nach Nyons und weiter auf schönem Weg entlang des glasklaren L’Eygues . Danach warten fast 1.000 Höhenmeter bis zu den beiden Pässen Col de la Croix-Rouge und Pas de Maneyrole. Der Mont Ventoux zeigt sich ausnahmsweise einmal wolkenlos.

Auch unser Übernachtungsstädtchen hat schöne Ecken.

Eigentlich war es der keltische Stamm der Vocontier, der hier in Vaison-la-Romaine an der Ouvèze siedelte. Als die Römer Gallien unter Caesar eroberten, unterwarfen sie sich und übernahmen schnell den Lebensstil der Besatzer. Die auf mehr als 5000 Einwohner angewachsene Stadt war schließlich kaum noch von einer römischen Provinzstadt zu unterscheiden. Heute nennt man sie das französische Pompeji, auch wenn es schon ein wenig übertrieben ist. Nachdem Alemannen und Goten die Stadt zerstört hatten, flohen die Einwohner auf die andere Flussseite. Dort hat sich der Ortsteil am Hügel bis heute sein mittelalterliches Aussehen bewahrt. Im 12. Jahrhundert ließ Raymond V. die stattliche Burg errichten, die derzeit renoviert wird. Und der Mont Ventoux hüllt sein Haupt wieder in Wolken.

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