Im dichten Nebel fahren wir weiter, im feinen Nieselregen kommen wir in Mouthe an. Erst am späten Nachmittag blitzt die Sonne ein paar Mal durch die Wolken. Eine gute Gelegenheit, einen kleinen Spaziergang zur mächtigen Quelle des Doubs zu machen, jetzt allerdings nur mit der herbstlichen Ausschüttung. Sie liegt auf 937 m Höhe am Fuße der Bergkette des Mont Risoux, die im Norden in die Ausläufer des Mont d’Or übergeht. Vielleicht ist der Aussichtsberg morgen ein lohnendes Ziel mit dem Rad. Ab und zu soll, bei bedecktem Himmel, die Sonne scheinen, allerdings bei niedriger Temperaturen von gerade mal 10 Grad C.





Am nächsten Morgen ist es noch recht frisch, die herbstlichen Temperaturen halten Einzug. Der Himmel ist noch grau, nur selten lässt die Sonne die Landschaft aufleuchten. Die Bäume werden zusehends gelb, die hier für Mountainbiker gut ausgebauten Wege sind mit Laub bedeckt. Zwar sind wieder einige Höhenmeter zu bewältigen, doch sie lassen sich gut fahren (kein Wunder mit der elektrischen Unterstützung). Am Mont’Or angekommen bläst über den langgestreckten Gipfelgrat ein kalter Wind, schließlich liegt der aussichtsreiche Gipfel auf 1463 Metern. Im Dunst liegt der Genfer See, schneebedeckte Gipfel lugen zwischen den Wolkenschichten hervorlugen.






Der goldene Oktober hält Einzug, der Himmel ist strahlend blau ohne eine einzige Wolke. Vor der Kirche Église Saint-Claude et Saint-Roch in Le Frasnois können wir parken. Hier beginnt auch die aussichtsreiche Wanderung zu den vier Seen: Lac de Narlay, Lac du Petit Maclu, Lac du Grand Maclu und Lac d’Ilay. Nach der gemütlichen Umrundung des ersten Sees führt ein Steig auf direktem Weg hinauf zum Kamm. Über viele Steine geht es im ständigen Auf und Ab etwas mühsam, aber stets aussichtsreich voran, immer mit Blick auf die Seen. Der Bélvédère des Quatre Lacs macht seinem Namen alle Ehre. Und vom Pic de l’Aigle zeigt sich heute sogar der Mont Blanc. Er scheint über den Hügelketten zu schweben. Übrigens: Einen Luchs habe ich trotz der Warnung nicht gesehen, trotz Warnschild.







Über den Col de la Faucille fahren wir hinunter in Richtung Genfer See, bleiben aber in Frankreich. Neben dem Theater und dem städtischen Schwimmbad finden wir in Divonne-les-Bains einen Platz am algengrünen Weiher. Eine kleine Radrunde geht streckenweise in die Schweiz, ohne das ich das merke: keine Kontrolle, keine Schranke und kein Grenzstein. Steil führt die Straße hinauf zum unscheinbaren Aussichtshügel Mont Mourex auf 754 Metern. Über dem Genfer See liegt eine dicke Inversionsschicht. Der Mont Blanc und seine Nachbarberge verstecken sich wieder einmal hinter einen hohen Wolkendecke.








Blauer Himmel, keine Wolke weit und breit. So kurven wir wieder hinauf zum Col de la Faucille und finden auf dem großen Parkplatz einen sonnigen Platz. Über hunderte Stufen führt der Steig steil und zügig hinauf zum Petit Montrond auf 1549 m. Nun liegt mir der Genfer See zu Füßen, während die Alpenkette mit Mönch, Eiger und Jungfrau, dem alles überragenden Mont Blanc und der La Tournette bei Annecy über der Inversion zu schweben scheint. Was für ein Traum. Im gemütlichem Auf und Ab geht es weiter zum nur wenig höheren Grand Montrond auf 1620 m, immer wieder überwältigt von diese grandiose Aussicht, das Staunen über diese gewaltige Landschaft will einfach nicht enden.








Wir verlassen unseren sonnigen Platz und fahren hinunter in die letzten Nebelfelder des tiefen Tals der La Valserine. Im Weiler Lélex können wir auf dem offiziellen Wohnmobilstellplatz parken. Es ist noch recht frisch, als ich loslaufe, die Sonnenstrahlen reichen noch nicht bis ins Tal. Dennoch komme ich schnell ins Schwitzen. 900 sehr steile Höhenmeter im Wald liegen vor mir. Doch als ich die die Baumgrenze verlasse und die Weiden erreiche, begrüßt mich die wärmende Sonne. Das riesige Gipfelkreuz des Le Reculet auf 1717 Metern ist nicht mehr weit entfernt. Wieder komme ich ob der Aussicht aus dem Staunen nicht heraus. Durch einen lichten Wald uralter Latschenkiefern geht es in einer gemütlichen Stunde weiter zum höchsten Punkt des Französischen Jura, der Crêt de la Neige. Mit 1718 Metern ist sie nur einen Meter höher als der erste Gipfel, aber immerhin. Hier lässt es sich wunderbar vespern. Das Sandwich und das sardische Bier schmecken jetzt besonders gut. Voller imposanter Eindrücke fällt der lange Abstieg, natürlich wieder über 900 Höhenmeter, deutlich leichter.









Leuchtender Abschied vom Genfer See.



