Nachdem wir schon fast zwei Monate kreuz und quer fahrend die Provence erkunden, sind wir nun am eigentlichen Anlass unserer Reise durch den Süden Frankreichs angekommen: der Montagne Sainte-Victoire. Cay Rademacher beschreibt das kleine Gebirge in seinem Kriminalroman „Stille Sainte-Victoire“ um Captain Roger Blanc so bildreich, dass wir große Entdeckerlust verspürten, hierher zu fahren. Es waren schon andere von diesem Bergzug angetan: Paul Cézanne, der ihn über 80 mal im Bild festhielt oder Peter Handke, der schrieb: „Es war der Berg, der mich anzog, wie noch nichts im Leben mich angezogen hatte.“ Ganz so heftig war es bei uns nicht, dennoch freuen wir uns, endlich hier zu sein.
Doch die Heilige Victoria ziert sich etwas. Als wir in Vauvernargues, einem Ausgangspunkt für die Besteigung, ankommen, regnet es ausnahmsweise Hunde und Katzen. Wir stehen unterhalb des Schlosses, in dem Picasso zeitweise lebte und in dessen Park er begraben liegt. Doch wir können sein Grab nicht besuchen, der Bürgermeister des Ortes erlaubt es seinen Erben nicht, das Schloss für Touristen zu öffnen. Eine Hinweistafel erklärt, das Museum sei in Paris.


Nachdem der Regen nicht aufhören will, umrunden wir die Sainte-Victoire und fahren nach Puyloubier an deren Südhang. Hier ist es zumindest ein wenig heller und bei regnerischen Wetter und heftigem Wind erhaschen wir bei einen Spaziergang durch die Weinfelder einen ersten Blick auf das 18 km lange Gebirge.



Und es regnet weiter. Bei Nieselregen urkundet Peter zwei Stauseen. Um Aix-en-Provence mit sauberen Trinkwasser zu versorgen, im 19. Jahrhundert wütete die Cholera, baute François Zola 1847 die Talsperre mit einer der ersten Bogenstaumauern der Welt. Heute versorgt die größere Bimont-Talsperre den Ort. Über den beiden Seen erhebt sich die mächtige Westflanke der Sainte-Victoire, gekrönt mit dem Croix de Provence.




Endlich ist uns Petrus und Victoria wohl gesonnen. Wir sind wieder in Vauvernargues. In der Nacht hat es gefroren, der Himmel ist blitzblank und erstrahlt im leuchtenden Blau, in den Gräsern glitzert der Raureif. Mit jedem Höhenmeter erweitert sich das Panorama: der wieder mit einer weißen Haube bedeckte Mont Ventoux, die Alpen und auch die Alpilles sind zu sehen. Im ehemaligen Kloster rastet eine Schar Schulkinder. Von hier ist es nicht mehr weit bis zum Kreuz der Provence. Oben ist der Platz für die Gipfelstürmer sehr eng, so viele Wanderer habe ich in den letzten Wochen noch nie gesehen.









Noch einmal erklimme ich den Bergrücken, diesmal von Puyloubier aus. Das Wetter ist fast frühlingshaft, im Tal saugt die schon stark Sonne die Feuchtigkeit aus den Boden, Nebel schwebt über den Rebfeldern. Ab und zu bilden sich in der aufsteigenden Thermik Wolken über dem Pic des Mouches, mit 1011 m die höchste Erhebung. Zwei Gleitschirmfliegen ziehen ihre Kreise. Es sind stimmungsvolle Tage an der Sainte-Victoire und wir können Paul Cézanne verstehen, Peter hat bestimmt mehr als 80 Bilder geschossen. So ist auch dieser Artikel etwas länger und bildreicher geworden als die sonstigen.






Mal wieder dramatische Wolken und Landschaften, die zum Träumen anregen … träumen vom nächsten Urlaub mit ähnlichen Kulissen.
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Dankeschön, ja, es ist wunderbar hier.
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