Eine Wunde in der Landschaft

Unsere Reise führt von der Küste weg nach Norden. Unsere erste Station, bei immer noch recht launischem Wetter ist Niebla. Die Römer nannten den Ort in ihrer Provinz Hispania Baetica Ilipla, die Westgoten Elepla, die Mauren Libla und die Spanier gaben ihm schließlich den heutigen Namen. Die heute noch vollständige erhaltene Stadtmauer erbauten die Mauren im Jahre 1130. Das war auch die Blütezeit der Stadt, die bis zum 13. Jahrhundert auf 40 000 Einwohner anwuchs, heute sind es nur noch etwa über 4000. Mächtig ist das Castillo de los Guzmanes, das in die Stadtmauer integriert ist. Von der wohl einst prächtigen Kirche San Martín stehen nur noch die Ruinen. Schön ist der Platz vor der Kirche Santa María de a Granade, die ursprünglich als Moschee erbaut wurde.

Wir kommen nach Minas de Riotintio, einer über Jahrhunderte hinweg durch intensiven Bergbau geschundenen Landschaf. Schon in der Bronzezeit wurde hier Erz abgebaut und auch die Römer beuteten die Bodenschätze aus. Anfänglich war die Bergbautätigkeit gering. Erst als ein Schwede die Mine vom spanischen Staat pachtete und 1873 ein britisches Konsortium das Bergwerk kaufte, begann die industrielle Ausbeutung. Bereits 1875 wurde eine Eisenbahnverbindung nach Huelva, nach nur zwei Jahren Bauzeit, eingeweiht. (Als wir ankommen, können wir gerade noch auf den Touristenzug aufsprongen.) Dabei waren die Lebensumstände der Bevölkerung katastrophal. Offene Röststufen vergiftete die Luft, viele Einwohner starben. Bei einer Protestkundgebung in 1888 ließen die Eigentümer über 100 Zivilisten durch spanische Soldaten erschießen. 

1954 gingen die Bergwerke wieder in staatliches Eigentum über, 2001 wurde die letzte Grube geschlossen. Doch wegen der steigenden Rohstoffpreise ist die Mine seit 2016 wieder in Betrieb, die im offenen Abbau betriebene Ausbeutung schaffte eine immer tiefere Grube. Als wir die Gegend verlassen, fahren wir durch eine trostlose Landschaft.

Ein Kuriosum: Minas de Riotinto ist die Wiege des heute so erfolgreichen Fußballs. In der abgeschiedenen Gegend suchten die englischen Arbeiter einen Ausgleich und begannen, den in ihrer Heimat beliebten Sport zu betreiben. Mit der Zeit begeisterten sich auch die Spanier und in 1920er Jahren gab es 20 Fußballmannschaften. Mütter untersagten ihren Töchtern jedoch, den in kurzen Hosen ausgetragenen Spektakel zuzuschauen. Hätten die Engländer nur den heute so erfolgreichen Spaniern nur nicht das Fußballen beigebracht.


Nach dem launischen Wetter mit viel Regen und heftigen Wind scheint uns wieder die Sonne. Wir bleiben zwei Tage in Aracena. Eine Besonderheit ist die Grutas de Maravillas, die Wundergrotte. Unter dem Burgberg verbirgt sich eine ganz andere Welt: riesige Tropfsteine hängen von den bis zu 50 m hohen Sälen, überall tropft es von den Wänden in die vielen spiegelglatten Seen. Hiervon gibt es wegen dem Fotografierverbot leider keine Bilder. Von der einst strategischen Burg sind nur noch wenige Mauerreste erhalten, die Einwohner bauten mit den Steinen ihre Häuser. Gute erhalten ist dagegen die Iglesia Prioral de Nuestra Señora del Mayor Dolor (Klösterliche Kirche unserer Fräulein der größten Schmerzen), deren Turm im Mudéjar-Stil erbaut ist. Und in der Region des spanischen Schinkens ist natürlich der Besuch eines entsprechenden Museums Pflicht, was wir jedoch keinem Vegetarier empfohlen wollen. In einer Bilderserie wird die traditionelle Schlachtung gezeigt, so wie Peters Opa es auch tat.

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