DIE STADT DES WILDEN SELLERIES

Noch ein weißes Kap liegt auf unserm Weg weiter in den Westen: CAPO BIANCO. Manche der leuchtend weißen Kreidefelsen sind blank poliert und die einzelnen Schichten von den Kräften der Erde zu einem Halbkreis geformt. Das glasklare Wasser lockt zu einem kurzen Bad, wobei sich nicht einmal die Nackenhaare aufstellen.

SELINUNTE, so meinen die Verantwortlichen, ist der flächenmäßig größte archäologische Park in Europa. Der griechische Name stammt von Selinon, dem Wort für wilden Sellerie. Die weitläufige Stadt wurde im 7 Jh. v.u.Z. gegründet und soll einmal über 100 000 Einwohner beherbergt haben. Doch die Politiker hatten kein gutes Händchen und schlugen sich meist auf die falsche Seite. Einmal waren sie mit den Karthagern verbündet und unterlagen einem griechischen Städtebund. Dann wieder auf der Seite von Syrakus unterlagen sie den Karthagern, die sich fürchterlich rächten: von 16 000 Toten und 5 000 in die Sklaverei verschleppten Einwohnern berichten die Geschichtsschreiber. Das Ende kam mit den Römern um 250 v.u.Z. Forscher vermuten heute, dass ein riesiger Tsunami die Tempel zerstörte, da auch die mächtigen Säulen in ein Richtung liegen. Die verbliebenen Reste fielen den Erdbeben zum Opfer und wurden als Steinbruch verwendet. Heute ist der Tempel C, alle Heiligtümer sind mit Buchstaben versehen, da die Forscher sie keinem Gott zuordnen können, teilweise aus den Bruchstücken wieder aufgerichtet. Stundenlang spazieren wir durch das weitläufige Gelände.

Zehn Kilometer von der antiken Stadt entfernt liegen die griechischen Steinbrüche CAVE DI CUSA. Diese wurden beim Heranrücken der Karthager 409 v.u.Z. abrupt verlassen. So liegen die mächtigen Säulentrommeln in der Wiese, als warteten sie auf den Abtransport. Andere sind halb oder bereits ganz aus dem Kalkstein geschlagen. Hier kann man sich gut vorstellen, wie mühsam die Arbeit der Handwerker war, die bis zu 30 Tonnen schweren Trommeln aus dem Felsen zu schlagen und dann auch noch die weite Strecke bis zu den Tempeln zu befördern.

2 Gedanken zu “DIE STADT DES WILDEN SELLERIES

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