VOM CARL-VON-STAHL-HAUS ZUR WASSERALM

Nach einer ruhigen, die Hütte war überbelegt und wir bekommen ein „Privatzimmer“ des Personals allein für uns beide, aber warmen Nacht treibt es uns bereits um fünf Uhr aus den sehr weichen Betten. Vor dem ersten Kaffee genießen wir den spektakulären Sonnenaufgang. Der Himmel ist fast blitzblank, nur den verschlafenen Watzmann umkränzen ein paar letzte Wölkchen.

Kurz nach sieben Uhr sind wir dann auch schon unterwegs zum Schneibstein. Der steile Steig mit seinen vom Regen der letzten Tage noch glitschigen Steinen verlangt uns alle Konzentration und Kraft ab, sind es doch auch über 500 Höhenmeter zu Anfang des Tages. Nach zwei Stunden schweißtreibenden Ausstiegs stehen wir auf dem Aussichtsgipfel. Der Blick reicht zurück zur Hütte und nach vorne zu dem Ziel der nächsten Tage, dem Steinernen Meer. Zwei Steinböcke stehen am Weg und lassen sich gut fotografieren. Auf dem weiteren Weg lässt es sich nun gut laufen, gemächlich führt er uns zum malerisch gelegenen Seeleinsee. Das frische Wasser tut den Füßen ausgesprochen gut. An riesigen Blöcken vorbei steigen wir noch ein paar Höhenmeter zum Hochgeschirr hinauf. Tief unter uns erspähen wir einen hohen Wasserfall; so weit absteigen müssen wir bestimmt nicht. Von nun an gehts 700 Höhenmeter bergab, anfangs noch durch Almwiesen, später durch einen lichten Lärchenwald, in dem sogar ein paar kleine Bächlein gluckern, eine völlig andere Vegetation als bisher. Nun bleibt der Weg fast auf gleicher Höhe, aber rechter Hand geht es 700 m fast senkrecht hinunter zum Talgrund. Dann tut sich plötzlich ein Blick auf den Obersee und das südliche Ende des Königsees auf, einfach fantastisch. Unerwartet erspähen wir durch den Wald den Röthbachfall, den wir schon weitem sahen und hofften, nicht so weit absteigen zu müssen. Mit 700 m Fallhöhe ist er der höchste Wasserfall Deutschlands. Gegen fünf Uhr erreichen wir die malerisch gelegene Wasseralm, unser heutiges Nachtquartier.

„Was gibt es heute zu essen.“ „Gemüseeintopf mit oder ohne Würstel.“ „Sonst noch was?“ „Gemüseeintopf, Punkt“. Eine klare Ansage, er schmeckt ganz gut. Neidvolle Blicke erntet ein kleines Mädchen, das einen Teller Nudeln bekommt. Sie mag kein Gemüse und war schon vier Tage hier. Es sei ihr von Herzen gegönnt.

40 Lager mit ebenso vielen Insassen quetschen sich auf mehreren Ebenen auf etwa 50 m2 zusammen. So suche ich mir auf einer Bank im Freien einen ruhigeren und vor allem etwas kühleren Schlafplatz. Doch an Schlaf ist vorerst nicht zu denken, 15 Hirschkühe kommen auf die Lichtung und trappeln die halbe Nacht umher, keine fünf Meter von mir entfernt. Im September gesellen sich noch die Hirschbullen dazu und werben um die Frauen. 

Tourdaten:

Strecke: 15,3 km

Aufstieg: 998 m

Abstieg: 1.319 m

3 Gedanken zu “VOM CARL-VON-STAHL-HAUS ZUR WASSERALM

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