Nach dem fantastischen Sonnenaufgang ziehen über den Himmel ein paar dünne Wolken und wir machen uns wieder auf den Weg. Vor uns liegen die Monts du Cantal. Der mächtige Gebirgsstock ist der größte Stratovulkan Europas, der vor 11 bis 3 Millionen Jahre aktiv war. 80 km misst er im Durchmesser. Die erosive Wirkung der Gletscher und der Niederschläge haben dem Cantal-Vulkan schwer zugesetzt und seine Höhe stark reduziert sowie weite Täler und Mulden geschaffen. Wir erklimmen auf guten Straßen das mächtige Gebirgsmassiv über den Pas de Peyrol. Da es nur wenige enge Parkplätze gibt und zudem die Auf- und Abfahrt zeitlich beschränkt ist, fahren wir zügig weiter bis ins beschauliche Dörfchen Mandailles. Der Ort bietet uns am Flüsschen Jordanne einen gemütlich Platz für die Nacht.






Die nächsten Tage ist der Lot unser Wegbegleiter. Nach einer Nacht in Livinhac-le-Haut fahren wir für einen Rundgang hinauf nach Capdenac, das schon in der Jungsteinzeit besiedelt war. Historiker meinen, das antike Uxellodunum entdeckt zu haben, das Cäsar im Jahre 51 v. Chr. als letzte gallische Stadt eroberte. Nachdem er der Bevölkerung buchstäblich das Wasser abgegraben hatte, musste diese sich ergeben. In seinem Buch „Der gallische Krieg“ schreibt Caesar: “Er fand es also ratsam, andere durch sein Beispiel der Strenge abzuschrecken und ließ allen die Hände abhauen.“






Am Lot gibt es 600 Dolmen, davon acht rund um Montbrun, die in der Megalithkulturen zwischen 4500 und 2000 v.u.Z. den Menschen als Grab oder für rituelle Praktiken dienten. Wie fast überall in Frankreich finden wir auch hier schnell einen Parkplatz, direkt unter der markanten Ortschaft und am Lot.




An den Treidelweg bei Bouziès können wir uns noch gut erinnern. Bei unserer weiten Tour durch halb Frankreich im Jahre 2011 waren wir bereits hier. Peter konnte sich damals als Schleusenwärter betätigen. Heute parken wir nahe bei Bouziès auf einem der vielen offiziellen und meist kostenlosen Wohnmobilstellplätzen, die Gemeinden zur Verfügung stellen. Von hier ist es nicht mehr weit zu den hoch aufragenden Felsen, wo die Erbauer den Treidlern ihre schwere Arbeit durch eine offene Galerie in der senkrechten Felswand etwas erleichterten. Um 1840 entstanden am Lot 76 neue Schleusen. So waren fast 300 km des knapp 500 km langen Flusses schiffbar. Mit der Eisenbahn und dem Niedergang des Weinbaus wegen der Reblauskrise Ende des 19. Jahrhunderts verlor der Kanal an Bedeutung. So endete mit dem Ersten Weltkrieg die Schifffahrt auf den Fluss. Heute sind zwar noch einige Schleusen in Betrieb, doch der Lot ist nur noch streckenweise befahrbar.



Die mittelalterliche Ortschaft Saint-Cirq-Lapopie liegt malerisch auf einem Felsen hoch über dem Lot. Viele der gut erhaltenen und restaurierten Steinhäuser aus dem 14. bis 18. Jahrhundert haben eine eigen Architektur. 2012 wurde es zum „schönsten Dorf Frankreich“ gewählt.





Umgeben von einer der vielen Flussschleifen des Lot liegt die alte Stadt Cahors. Schon die Römer siedelten hier. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist die Pont Valentré aus dem 14. Jahrhundert, als Teil des Jakobswegs ist sie UNESCO-Weltkulturerbe. Sechs Spitzbogen überspannen den Lot, drei Türme sicherten die Stadt. Rund um die Kathedrale Saint-Étienne bieten viele Stände ihre Waren an: Obst und Gemüse, Fisch, Wurst und Käse, Brot und vieles mehr. Peter hat leider, oder glücklicherweise,kein Geld mitgenommen. Gleich nebenan steht die modernisierte Markthalle.




Praktisch auf einer Insel liegt der Ort Luzech, dessen Geschichte auch bis in die gallo-römische Zeit zurückreicht. Auf einem Hügel steht der markante Tour d I’Impernal, Überbleibsel der mittelalterlichen Burg, die den Flussübergang überwachte. Früher durchquerte ein Stichkanal den Ort, heute ist dieser zugeschüttet und der Marktplatz. Am Rande von Luzech können wir neben dem Friedhof mit der wuchtigen Église Notre-Dame-de-l’Assomption direkt am Lot stehen. War schon am Tag der Himmel grau, fängt es am Abend an zu regnen.




Was für ein wunderbarer Wegbegleiter, der Lot! Eure Bilder wie immer brillant – wir werden eure beschriebene Strecke demnächst (hoffentlich) ein wenig ’nachfahren‘ können… 😃
Also besten Dank für alle Tipps und weiterhin gute Reise!
Ursula und Axel
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Danke Euch beiden.
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