Vom Mittelmeer über Gibraltar zum Atlantik


Wir kommen wieder ans Mittelmeer. Obwohl es hier sehr touristischer ist, können wir am großen Parkplatz von Torreguadiaro direkt am weiten Strand, trotz vieler Wohnmobile, ganz entspannt ein paar Tage bleiben. Vor uns der weite und jetzt fast einsame Strand. Und immer wieder über den Tag hinweg ein faszinierendes Farbenspiel.

Noch mehr Wohnmobile finden sich am Yachthafen von La Línea de la Concepción ein. Mit so vielen Campern, über den Daumen geschätzt sind es etwa zweihundert, waren wir noch nie zusammen. Aber es ist viel Platz, so stehen wir nicht dicht an dicht und der Blick auf Gibraltar ist es allemal wert. Natürlich steht das britische Überseegebiet auf unserer Wunschliste. Alleine der Zugang zum Vereinigten Königreich ist schon spannend: Zwei Grenzkontrollen und dann der Gang über den Flughafen. Und tatsächlich steht die Ampel auf rot, die Gatter sind geschlossen und eine Maschine startet. Aber der Gang durch die Einkaufsmeile ist eher ernüchternd. Die vielen Läden, es ist zollfreies Gebiet, könnten überall stehen. Besser ist dann die Radtour, diesmal ohne Kontrolle des Ausweises, rund um die Insel. Entlang der östlichen Steilküste ist es ruhiger und beschaulicher, es sind nur ein paar Touristen unterwegs, eine Schulklasse erobert einen Strand. Am Europa Point, dem südlichsten Punkt, steht der Leuchtturm. Und natürlich lockt der Blick vom 426 m hohen Felsen, obwohl der Eintrittspreis doch recht geschmalzen ist. Selbst mit dem Rad ist es streckenweise recht eng, aber zahlreiche Taxen bringen die fussfaulen Touristen über die engen Straßen auf den Berg. Und eigentlich wollte ich die Affen in Ruhe lassen, doch als sie so gemütlich auf dem Geländer sitzen und die Aussicht genießen, kann ich nicht widerstehen.

Wir kommen nach Tarifa, dem südlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Afrika ist hier an der Straße von Gibraltar nur 14 km entfernt. In der Antike wähnte man hier, bei den „Säulen des Herakles“, das Ende der Welt. Vom Vogelbeobachtungs-Observatorium Cazalla haben wir einen wunderbaren Blick auf die Meerenge und auf das gegenüberliegende marokkanische Gebirge und die Lichter von Tanger.

Vor etwa sechs Millionen Jahren war das Mittelmeer ein gewaltiger Salzsee. Eine Million Jahre später schwappten erste geringe Wassermengen aus dem Atlantik in das trockene Becken, bis schließlich 100 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde mit 144 km/h einströmten, der Kanal sich pro Tag um 40 Zentimeter vertiefte und der Wasserspiegel in Mittelmeer täglich um mehr als 10 Meter anstieg. Heute fließt das Wasser vom höher gelegenen Atlantik an der Oberfläche in das Mittelmeer. In der Tiefe fließt das salzhaltigere Mittelmeerwasser in die Gegenrichtung. In der Antike nutzten die Schiffe diese Strömung mit einem Treibanker, um gegen die Winde und Strömung anzukommen. Was gibt es für faszinierende Geschichten.

Wir streifen durch Tarifa, es ist windstill und kein buntes Segeltuch lässt sich am Meer blicken. Der Steg zur Isla de Las Palomas, der Zugang ist leider geschlossen, trennt das ruhige Mittelmeer vom wogenden Atlantik, dessen Hinweisschild vermutlich einen verrosteten Fuss hat.

2 Gedanken zu “Vom Mittelmeer über Gibraltar zum Atlantik

  1. Super – in die Ecke wollte ich schon immer mal.

    Als Ex-Surfer war natürlich Tarifa ein Traumziel. Aber irgendwie hat es noch nie geklappt.

    Wünsche euch eine tolle Zeit, gutes Wetter und ich freu mich auf weitere Berichte und tolle Bilder.

    Viele Grüße

    Jürgen – jetzt wieder in der Kälte

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