Schönstes Wanderwetter

Das Wetter soll nach sechs Tagen Dauerregen wieder sonniger werden. Wir legen in GEORGIOÚPOLIS einen kurzen Zwischenstopp ein, bevor wir noch einmal in den Süden der Insel fahren. Am Morgen hat es endlich aufgehört zu regnen und die Sonne lässt sich wieder einmal blicken. Wie gut das tut.

Als wir in KOMITÁDES am weiten Kiesstrand ankommen, scheint sogar sie Sonne, am Abend verabschiedet sie sich in rote Farbe gehüllt direkt im Meer.

Am Morgen lassen sich die schneebedeckten Berge der LEFKÁ ÓRI wieder einmal blicken, sie sind zum Greifen nah. Ein einsam stehender Mandelbaum steht in voller Blüte und unzählige Bienen sind laut brummend fleißig am sammeln.

Heute steht wieder einmal eine Schlucht auf dem Wanderprogramm. Es geht zur ÍMBROS-SCHLUCHT, der kleinen Schwester der SAMARIÁ-SCHLUCHT, die im Winter leider gesperrt ist. Noch im 19. JH. war sie Hauptverbindung zwischen dem Norden und CHÓRA SFÁKION. Reste des alten Weges erleichtern auch heute noch streckenweise das Wandern durch die geröllige Schlucht. Gemütliche ansteigend führt der Steig zwischen den eng stehenden Felsen, an der schmalsten Stelle kann man mit ausgestreckten Händen beide Wände berühren, 500 Höhenmeter hinauf in die kleine Ansiedlung von ÍMBROS. Überraschend ist das üppige Grün, viele Bäume stehen im Talgrund oder klammern sich mit dicken Wurzeln in den Felsen. Und trotz des vielen Regens der letzten Tage fließt kein Wasser durch die imposante Schlucht.

Die Sonne geht auf und der Vollmond versinkt. Heute zeigt sich keine einzige Wolke am strahlend blauen Himmel. So kann Peter seine vielleicht letzte Schluchtwanderung auf KRETA antreten. Wir fahren über CHÓRA SFAKÍON noch einmal die breite und kurvernreiche Straße hinauf zum Geisterdorf ARÁDENA. Kaum zu glauben, dass durch einen dummen Jungenstreich, ein Knabe stahl eine Ziegenglocke, eine Blutfehde ausbrach. Um diese nicht eskalieren zu lassen, verließen die Familien den Ort. Die Wanderung führt erst über ein Stück Straße und dann über Kalderimi hinunter in den Weiler LIVANIANÁ, in dem mehr Ruinen als bewohnt Häuser stehen. Im Rücken glänzen die weißen Flanken der LEFKÁ ÓRI, die mit Saharastaub überzogen sind. In der Luft gleiten fünf Geier im wunderbaren Aufwind, ich werde ob ihrer Flugkünste schon ein wenig neidisch. Obwohl es nur bergab geht, kommt ich schon nach kurzer Zeit ins Schwitzen, die Sonne hat nun schon mächtig Kraft und es ist bestimmt 20º C warm. Da kommt die kleine Kiesbucht der heute einsamen MARMARA-BEACH gerade recht. Beim Bad im glasklaren Wasser stellen sich mir nicht einmal die Nackenhaare auf. Von hier öffnet sich die imposante ARÁDENA-SCHLUCHT. Erst geht es gemütlich über ein breites Schotterbett, in dem selbst nach dem vielen Regen kein Tropfen Wasser fließt. Doch immer wieder versperren omnibusgroße Felsen den Weg. Die letzte Hürde kann ich über eine rostige, bestimmt 10 m hohe Leiter bewältigen. Dann kommt auch schon die klapprige Brücke in Sicht, die in 138 m Höhe die hier enge Schlucht überspannt. Im Sommer stürzen sich hier wagemutige Bungee-Springer in die Tiefe. Fast genau unter ihr liegt der Kadaver eines Geiers, von dem nur noch das Gerippe und die bestimmt 30 cm langen Federn übrig sind. Über einen gut erhaltenen Kalderimi steige ich die letzten Meter hinauf ins verlassene ARÁDENA. Ein Ziegenhirte begrüßt mich weltmännisch mit: „Hallo, my friend.“ Nach guten fünf Stunden eindrucksvollen und mühsamen Wanderstunden bin ich wieder am Parkplatz vor der Brücke angelangt.

4 Gedanken zu “Schönstes Wanderwetter

  1. aaaah, mein Herz geht gerade auf! Ich liebe dieses Fleckchen Erde so sehr!

    Kennt ihr eigentlich die bisher 3 Bücher der Autorin Elisabeth Katz? Sie schreibt über ihre Liebe zu Kreta und ihre Wanderungen durch den Süden der Insel. Sie wohnt jedes Jahr 2x eine längere Zeit in Chora Sfakion, trifft wunderbare Menschen und berichtet darüber. Sehr empfehlenswert, besonders für Kreta-Liebhaber. Ich habe sie verschlungen und kann es kaum erwarten, den 4. Teil zu lesen 🙂

    Gefällt 2 Personen

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