LETZTE TAGE IM ELSASS

Nachdem das Wetter weiter regnerisch und kalt bleiben soll, fahren wir hinunter in die Rheinebene und kommen nach Neuf-Brisach, hier können wir am ehemaligen Exerzierplatz mitten in der ehemaligen Garnisonsstadt auch über Nacht bleiben.

Als Gegenpol zur mächtigen Festung in Breisach, die an Österreich verloren ging, beauftragte Ludwig XIV. den Bau einer neuen Festung. Sein genialer Baumeister Sébastian Le Pestre de Vauban legt den Standort fest und entwirft die Pläne. Bereits nach vier Jahren ist 1703 der Bau abgeschlossen und die Festungsstadt Neuf-Brisach entstanden. Trotz der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg ist die Anlage noch gut erhalten und seit 2008 UNESCO-Weltkulturerbe.

Im ehemaligen Dreiländereck Deutschand-Frankreich-Schweiz finden wir an einem Karpfenweiher einen ruhigen Platz. Wir erkunden auf einer kleinen Wanderung den Circuit du Kilomètre Zéro. Im Ersten Weltkrieg begann hier die Front zwischen den Franzosen und Deutschen, die neutralen Schweizer beobachteten deren Aktivitäten. Der Grenzstein Nummer 110, der eigentliche Beginn der Front, fehlt auf den militärischen Karten, sowohl der Franzosen als auch der Deutschen. So war es der Grenzstein Nr. 111, der die Westfront an der Schweizer Grenze und den Kilometer 0 auch heute noch symbolisiert. Wie laut mag es hier vom Gefechtslärm gewesen sein. Heute krächzen nur ein paar vorlaute Elstern, die wegen der Störung heftig schimpfen. Jetzt überwuchert die Natur die Zeugnisse des schlimmen Krieges und an den Grenzen muss keiner mehr Angst um sein Leben haben. Zurück beim Bruno spricht uns ein französisches Ehepaar an: Sie ist Geschichtslehrerin und besuchte in Nürnberg das Dokumentationszentrum.

Schon vor Sonnenaufgang sind wir von Anglern belagert, die heute ihren Karpfen, eine Spezialität der Gegend, für den sonntäglichen Mittagstisch angeln wollen. Wir fahren nur ein kurzes Stück nach Ferrette. Im kleinen Ort suchen wir zuerst den Bäcker auf, und kaufen herrlich knuspriges Baguette, zwei Quiche-Stücke fürs Mittagessen und für Peter zum Café ein Törtchen mit Himbeeren. Danach spazieren wir durch das liebliche Sundgau. Die Wanderung beginnt auf einer ehemaligen römischen Straße, die jetzt eine schattige Alle ist. Zuerst geht es am Waldrand entlang, dann durch einen wunderschönen Buchenwald hinauf auf die rundliche Hügelkette; der Boden ist übersät mit Bucheckern. Oben angelangt öffnet sich eine Lichtung mit majestätischen Bäumen, ab und zu lugt die Sonne durch die schnell ziehenden Wolken. Am Rossberg steht ein schauerlicher Aussichtsturm, er besteht nur aus Gitterblechen. Der kleine Nervenkitzel wird von einer fantastischen Sicht in die Vogesen und hinüber in den Schwarzwald belohnt. Den Schlusspunkt setzt das weitläufigen Château de Ferrette. Das Schönste hier sind die mächtigen Bäume inmitten der Ruinen.

Das Elsass gefällt uns ausgesprochen gut: liebliche Landschaft, schmucke Dörfer, ausgedehnte Wandermöglichkeiten, überall Stellplätze und viele freundliche Menschen haben uns für diesen französischen Landstrich eingenommen. Doch das Wetter soll weiterhin kalt und regnerisch bleiben und die Franzosen bekommen Corona einfach nicht in den Griff, obwohl hier die Menschen sehr sorgsam sind. Italien scheint dagegen gut mit der Pandemie fertig zu werden, es sind halt mittlerweile doch die besseren Deutschen, und das Wetter verspricht, jetzt zumindest, Sonne und Wärme. So machen wir uns auf den weiten Weg. Eigentlich meinten wir, der Bodensee liegt direkt an der französischen Grenze, doch dorthin sind es noch gute 200 km. In einer Streuobstwiese bei Hilzingen finden wir einen Platz. Zwei ältere Damen, die vorbei kommen, meinen, die Einwohner hätten auch nichts dagegen, sie seien doch keine „Dipferlasscheißer“. Am nächsten Tag erreichen wir den Bodensee und setzen mit der Fähre von Staad nach Merseburg über. Wir quälen uns durch das dicht bebaute Vorarlberg und finden irgendwo einen Schotterplatz für die Nacht.

4 Gedanken zu “LETZTE TAGE IM ELSASS

  1. Wie immer tolle Bilder und informative Beschreibungen!!!
    Es ist ein Genuss euch „zuzusehen“ bzw. „zu lesen“.
    Gute Fahrt Richtung Italien.
    Mittwoch, Donnerstag und Samstag soll es am südlichen Teil des Gardasee’s sehr schön werden. Wir haben euch das gute Wetter dort gelassen.

    Viele Grüße
    Jürgen

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