Touristischer Trubel und erwanderte Einsamkeit

Wieder wachen wir unter einem blauen Himmel auf und steigen früh von unserem Aussichtsbalkon herunter. Vorsichtig nähern wir uns dem ausufernden SPLIT. Doch zuerst besuchen wir die Vorgängerin der Stadt, das antike SALONA, einst die Hauptstadt der römischen Provinz Dalmatien und Geburtsstadt des Kaisers Diokletian. Zu Zeiten Kaiser Augustus lebten hier 60 000 Menschen. Das Amphitheater hatte für 17 000 Besucher Platz. Im frühen Christentum war die Stadt ein wichtiges Zentrum des römischen Glaubens. Viele Märtyrer fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Vielzählig sind deren Särge, von denen einige Fresken gut erhalten sind.

Dann wagen wir uns in das Verkehrsgewühl von SPLIT, das ein Gürtel hässlicher Hochhäuser umgibt. Kaiser Diokletian, nebenan geboren, lies in nur 10 Jahren im 3. Jh. einen 30 000 qm großen Palast für sich errichten. Als Awaren und Slawen SALONA im 7. Jh. zerstörten, flüchteten die Einwohner in den Palast, suchten Schutz hinter den dicken Mauern und bauten ihn für ihre Bedürfnisse um. Das Mausoleum des Kaisers etwa nutzen sie als Kathedrale, wie profan. So fand in dem bescheidenem Einfamilienhaus eine ganze Stadt Platz. Heute ist die Sehenswürdigkeit UNESCO-Weltkulturerbe und als Freilichtmuseum von der Touristenschar vereinnahmt.

Nach der touristischen Geschäftigkeit sehnen wir uns nach der Einsamkeit der Natur. Über stellenweise enge Straßen kurven wir durch verbrannte Landschaft hinauf auf 600 m zur Ortschaft GORNJE SITNO. Die Tour beginnt gemächlich auf einem Schotterweg. Das ausufernde SPLIT an der malerischen Bucht ist gut zu sehen, die Inseln BRAČ und HVAR tauchen aus dem Dunst auf. Der Weg führt in einen Wald, in dem die Hütte DOM UMBERTO GIROMETTA etwas versteckt liegt. Nach einer malerischen grünen Hochfläche führt der Steig fast in direkter Linie durch ein Felsen- und Sträuchergewirr (dank hervorragender Markierung ist ein Verlaufen fast unmöglich) hinauf zum Höhenzug des Gebirgsmassivs MOSOR. Die Sonne brennt unbarmherzig von einem blauen Himmel, eine leichte Brise aus West verschafft etwas Linderung. Nach mühevollen und schweißtreibenden 700 m Aufstieg ist der Kamm und nach ein paar Metern der Gipfel des 1325 m hohen VICKOV STUP mit der rot leuchtenden Schutzhütte erreicht. Auf stark verwitterten Karst mit metertiefen Spalten gelingt sogar eine Gipfelüberschreitung. Nun geht es wieder in der Direttissima durch die Felsen, stellenweise mit Seil gesichert, hinunter zum grünen Tal. Auf der Hütte haben sich mittlerweile viele Wanderer eingefunden. Nach etwa fünf Stunden ist unser Dicker erreicht, der in der prallen Sonne heftig schwitzt. Wieder zurück am Meer zerstören wir auf der Suche nach einen Badeplatz bei einem Wendemanöver den rechten hinteren Blinker des Rollerträgers, den wir aber wieder mit Sekundenkleber zusammen flicken können. Etwas genervt finden wir in DUGI RAT eine freie Fläche an einem wunderbaren Kiesstrand mit blauem Wasser. Der Schreck ist bei einem Bad und einem Glas Wein bald vergessen.

Ein Gedanke zu “Touristischer Trubel und erwanderte Einsamkeit

  1. die altstadt von split fand ich toll, das rundherum war eher fürchterlich, aber bei größeren städten kommt man da nicht drumherum. ich sehe, dass sich kroatien wohl wandertechnisch richtig zu lohnen scheint. ach, wenn nciht diese zeit immer so ein begrenzender faktor wäre…

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