Stare über dem antiken Messene

Nach vier Tagen am kuscheligen Strand von ROMANOS ziehen wir wieder ein Stück weiter. Die letzten Regenwolken verziehen sich und ein Regenbogen wölbt sich über die BUCHT VON NAVARINO.

Im sympathischen PYLOS kaufen wir ein knuspriges Brot und zuckersüße Plätzchen, das Kastell schauen wir nur von außen an. Doch in METHONI machen wir uns wieder auf den Weg in die geschichtsträchtige mächtige Burg. Homer hat sie bereits in der Illias erwähnt. Von den Messeniern lange gegen Sparta verteidigt, war sich dann doch 450 Jahre, bis 370 v. Chr. unter deren Herrschaft. Marcus Antonius befestigte sie stark, was Marcus Agrippa im römischen Bürgerkrieg nicht hinderte sie einzunehmen. Venedig erhielt ab 1124 die Herrschaft über die Stadt und begann die heute noch sichtbare gewaltige Mauer zu bauen. Doch das half alles nichts, als im Jahre 1500 die Türken mit 100 000 Mann und 500 Kanonen anrückten, die 7 000 Mann starke Besatzung bezwang und die männliche Bevölkerung köpfen ließ. Sie blieben dann 300 Jahre und unterhielten hier auch einen Markt griechischer Sklaven für Ägypten. Dann kamen für ein kurzes Intermezzo noch einmal die Venezianer. Im griechischen Unabhängigkeitskrieg wurde sie verwüstet und von Franzosen befreit. Im 2. Weltkrieg nutzten sie die Deutschen und die Alliierten bombardierten sie. Doch noch immer ist sie einer der am besten erhaltenen Burgen des Peloponnes und sehenswert. Vor allem der BURTZI genannte Turm im Süden steht fotogen im Wasser.

Dann beginnt unsere Suche nach einem schönen Platz. Die Bucht MEGALO MARATHI sehen wir zwar, doch die Piste ist nichts für unseren Dicken, in TSAPI versperrt ein Campingplatz die Zufahrt, in KALAMAKI gefällt es uns nicht, in KORONI ist die Zufahrt zum Parkplatz am Hafen von einem Baugerüst versperrt. So landen wir letztendlich am kleinen Hafen von AGIOS ANDREAS. Gegenüber leuchten die Berge der MANI im Abendlicht. Am nächsten Morgen weckt uns ein farbenfroher Sonnenaufgang. Ein kleines Fischerboot tuckert aus dem Hafen und holt seine Netze im ersten Sonnenlicht ein. „Morgenrot schlecht Wetterbot“ heißt es ja und es sollte sich bewahrheiten. Kurz darauf beginnt es heftig zu regnen.

Den Regen nutzen wir für einen ausgiebigen Einkauf und einen kleinen Abstecher ins Landesinnere. Im kleinen Ort MAVROMMATI bietet sich ein Parkplatz mit Blick auf die antiken Ruinen von MESSENE für die Mittagspause an. Mittlerweile kommt ab und zu die Sonne hervor. Peter nutzt die Wetterbesserung und wandert hinauf zum knapp 800 m hohen Aussichtsberg ITHÓME. Hier soll an der Quelle Kepsydra Zeus geboren und von den Nymphen Ithome und Neda gebadet und groß gezogen worden sein. Jetzt sind ringsherum die Berge in dicke schwarze Wolken gehüllt, ab und zu donnert es. In großen Schleifen führt die breite Piste gemütlich hinauf zum Gipfel. Einige Sonnenflecken huschen über die antiken Ruinen, die inmitten leuchtend grüner Wiesen liegen. Neben dem Gipfel des ITHÓME steht das verlassene KLOSTER VOULKANOU, das aus den Resten eines ehemaligen Zeus-Heiligtums erbaut wurde. Wieder fallen ein paar Regentropfen. Erst will ich in der Hütte des Feuerwächters den Regenschauer abwarten, doch im Süden, von da weht auch der Wind her, ist es heller. Dann doch schnell den Steig hinunter ins Dorf eilen, bevor der nächste Regen kommt. Aber der kam schneller als ich laufen konnte. Heftiger Wind fegt über den Hang, dann folgt Regen, der in Hagel übergeht. Völlig durchnässt komme ich bei Susanne an.

Am nächsten Morgen ist es zwar frisch, aber die Sonne scheint wieder von einem blauen Himmel. Wir verlassen unseren Aussichtsbalkon und sind schon wieder früh an der Ausgrabungsstätte des antiken MESSENE. Dann plötzlich ein Rauschen über uns, fast verfinstert sich die Sonne, ein riesiger Schwarm Stare fliegt über uns, setzt sich in die Olivenbäume, schwirrt wie auf Kommando wieder hoch. Ein Greifvogel umkreist etwas ratlos den Vogelschwarm. Das Schauspiel bietet sich uns noch ein paar Mal den ganzen Tag über. Unser Dicker bekommt einige Treffer ab, wir bleiben gottseidank verschont.

Schon von unserem Übernachtungsplatz sahen wir die Weitläufigkeit der alten Stadt, aktuell die größte Ausgrabungsstätte Griechenlands. Der gestern erklommene ITHÓME bot sich mit seinen steilen Hängen für die Befestigung einer Stadt förmlich an. Epiminondas gründete die sie 369 v. Chr., nachdem er die Spartaner aus dieser Ecke des Peloponnes vertrieben und die geflohenen Messenier wieder zurückgeholt hatte. Angeblich soll MESSENE in 85 Tagen errichtet worden sein. Das können wir schier nicht glauben (wenn man bedenkt wie lange wir für einen Flughafen brauchen). Alleine die 9 km lange Stadtmauer mit den riesigen und tonnenschweren Steinen ist gewaltig, besonders das ARKADISCHEN TOR mit den fugenlos angepassten Steinkolossen. Mühelos passt unser Dicker in den kreisrunden Turm mit 20 Meter Durchmesser. Hier stehen auch noch einige der vormals 30 Festungstürme. Das Theater hat einen Durchmesser von fast 100 Metern und ist eines der größten der Antike. 19 Zuschauerblöcke mit 18 Sitzreihen umgaben das Stadion, das von unzähligen Säulen eingerahmt ist. Nach dem ausgiebigen Rundgang besuchen wir das kleine Museum. Wieder begrüßt uns der Götterbote Hermes, im Hintergrund steht die anmutige Artemis, die Göttin der Jagd. Herkules mit seinem Löwenhelm, in einer etwas eigenwilligen Darstellung, darf natürlich auch nicht fehlen.

3 Gedanken zu “Stare über dem antiken Messene

  1. … MESSENE in 85 Tagen errichtet … Flughäfen in der heutigen Zeit sind ja auch Bestimmungen unterworfen, die man 369 v.Chr. sicher nicht kannte. Aber 85 Tage erscheint auch mir zu kurz. Vielleicht 385 Tage … dann ist das trotzdem eine Leistung, so ohne Kran, Bagger oder anderem technischen Schnickschnack.

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    • … ja, da gab es auch noch keine Flugzeuge. Dennoch ist es eine architektonische und logistische Meisterleistung. Vor allem wenn man bedenkt, das dies alleine mit der Muskelkraft erledigt wurde. Wüssten wir heute, wie wir diese tonnenschweren Steine ohne Autokran aufschichtet? Wünschen noch eine schöne Vorweihnachtszeit und schicken viele Grüße

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