Quer durch Attika

Nach über zwei Monaten verlassen wir den Peloponnes, der uns wirklich jeden Tag aufs Neue überraschte. Nun werden wir noch ein paar geruhsame Tage einlegen, bevor wir uns in die Hektik ATHENS wagen werden, oder auch schnell daran vorbei fahren.

Wir kommen durch das geschäftige LOUTRÁKI und wundern uns über die Faschingsdekorationen, bis uns klar wird, dass die Griechen ja einen anderen Feiertagskalender haben. Dazu folgen sie dem Julianischen Kalender, während bei uns ja der Gregorianische gilt. So ist in diesem Jahr Ostern in Griechenland eine Woche später als in Deutschland. Wir fahren weiter zum KAP IRÉON, an dem die Griechen ihrer Göttermutter Hera in fantastischer Lage einen Tempel bauten. Zum frisch restaurierten Leuchtturm schleppt eine Familie ihren halben Hausstand, sie werden hier wohl in aussichtsreicher Lage übernachten.

Wir fahren entlang der Bucht von VOULIAGMÉNI, früher ein See, jetzt durch einen engen Kanal mit dem Meer verbunden, an dessen Ufer sich die Tavernen für den Ansturm der Gäste für das kommende Faschingswochenende vorbereiten.

Hoch über dem Meer fahrend, gelangen wir durch weite Nadelwälder an das östliche Ende des KORINTHISCHEN GOLFES nach PSATHA. Hier wird am Strand gefeiert, gegrillt und einige Griechen wagen sich sogar ins kühle Meer. Peter kann das natürlich nicht auf sich sitzen lassen und folgt. Die umliegenden Berge und die Inseln verschwinden langsam im Dunst und künden die bevorstehenden grauen Tage und den Regen an. Der Wind bleibt gottseidank aus, das Meer ist spiegelglatt, keine noch so kleine Welle kräuselt sich.

Auf der anderen Seite des Bergrückens liegt PORTO GERMANO. In dem kleinen Ort finden sich schon früh am griechischen Rosenmontag viele Ausflügler ein. Viele Väter mühen sich ab, im lauen Windchen Drachen steigen zu lassen. Wir erkunden die 2 500 Jahre alten Mauern der antiken Siedlung AIGOSTHENA. Inmitten eines alten Tempels und einer frühchristlichen Basilika steht nun eine kleine Kapelle, die alten Fresken sind mit einer dicken Rußschicht aus unzähligen abgebrannten Kerzen überzogen. In dem weitläufigen Areal stehen viele uralte Olivenbäume.

Dann machen wir einen großen Sprung quer durch das dicht bebaute ATTIKA. Über eine streckenweise vom letzten Unwetter weg gespülte Straße kommen wir nach ATHEN. Eine breite Straße bringt uns ohne Stau hinauf zur AKRÓPOLIS. Wir schauen uns kurz in die Augen, machen ein paar Fotos, und fahren schnell weiter.

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Am Südende ATTIKAS steht hoch über dem Meer am KAP SOÚNION der berühmte TEMPEL DES POSEIDON. Poseidon, ein Bruder des Zeus, erhielt nach dem Sieg über die Titanen die Herrschaft über das Meer, womit er nicht immer ganz zufrieden war. Als „Erderschütterer“ ist er auch für Erdbeben und Vulkanausbrüche zuständig, was ihm vermutlich auch den Beinamen „Der Grollende“ einbrachte. Stieropfer und manchmal auch eine geopferte Jungfrau sollen ihn gnädiger gestimmt haben.

Es sind weniger die Säulen, die noch stehen, als die Lage, die faszinierend ist. Früh am Morgen sind wir wieder einmal die ersten und einzigen Besucher, die Touristen kommen erst gegen Abend zum Sonnenuntergang (die einzige Sehenswürdigkeit in Griechenland, die so lange geöffnet hat, im Winter schließen die meisten schon um 15 Uhr). Und es ist kein Wunder, dass man nicht in den Tempel darf, haben sich doch schon vor langer Zeit einige mit einem Graffiti in den Grundmauern verewigt.

Die Küste ATTIKAS am PETALISCHEN GOLF ist dicht besiedelt, entlang der Straße stehen viele gesichtslose Geschäfte, Flugzeuge starten und landen am nahe gelegenen Athener Flughafen Eleftherios Venizelos. Schnell lassen wir die triste Gegend hinter uns und sind am Mittag bereits in MARATHON. Im September 490 v. Chr. fand hier eine entscheidende Schlacht statt. Am weiten Strand liegen 100 Schiffe der Perser, die Athener haben sich im Vrana-Tal verschanzt. Nach einer Woche des Wartens suchen die Feldherren die Entscheidung. Inmitten der sumpfigen Ebene erwarten 15 000 Perser 10 000 Athener. Diese stehen auf dem höheren Talausgang. Langsam setzt sich die Phalanx, eine menschliche Wand und mit deren Schildern eine Ramme aus Bronze und Eisen, in Bewegung. Die letzten 200 Meter rennen die Männer auf die Perser zu und überraschen sie damit. Deren gefürchteten Bogenschützen und Reiter kommen nicht zum Einsatz. Der Sieg ist überwältigend, 6400 Perser sind tot, während die Athener nur 192 Tote zu beklagen haben. Es ist der erste Sieg des Westens über den Osten, die freien Bürgersoldaten haben die Söldner des Königs geschlagen, die Demokratie hat über die Monarchie gesiegt. Wäre auch unsere Geschichte ganz anders verlaufen, wenn die Perser gesiegt hätten?

Wir besuchen den Grabhügel der gefallenen griechischen Soldaten, er steht unscheinbar inmitten eines weiten Olivenhains. Unweit ist dem großen Sieg ein Denkmal gesetzt, etwas lieblos und verloren steht die weiße Marmorsäule in der Landschaft, kein Schild weißt auf das große Ereignis hin. In der nahegelegene weitläufigen Pineta finden wir unter mächtigen Pinien einen wunderbar ruhigen Platz. Wir stellen uns vor, wie die 100 Schiffe der Perser langsam in die weite Bucht einlaufen.

2 Gedanken zu “Quer durch Attika

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