Vom Rotwandhaus über Bayerischzell zum Wendelstein

Der erste helle Schimmer, Zelttüre aufmachen und noch etwas verschlafen die Schönheit der Natur genießen. Ein Traum.

So von Petrus verwöhnt geht das Aufstehen schon viel leichter als gestern. Alles ist trocken, nur im Gras hängen noch ein paar Tautropfen. Beschwingt geht’s über einen schönen Steig hinunter, für ein Bad im SOINSEE ist es noch ein wenig frisch. Ein schmaler Weg hoch über dem WACKBACH bringt mich nach BAYERISCHZELL.

Leider hat der Metzger heute am Montag geschlossen, so gibt es statt der erhofften Leberkässemmel ein süßes Teilchen beim Bäcker. Ein Frau fragt mich nach dem Woher und Wohin. Das ich Franke bin, kann sie erst einmal nicht glauben. „Weißt Du was a ozullds Buddlersbaa ist?“ „Na freilich. Und Nürnberg ist da: Wou die Hasen Hoosn und die Hosen Huusn haaßn„. „Allmächt, du verstehst wirklich fränkisch.“ Nachdem ich die Sprachprüfung mit Bravour bestanden habe, mache ich mich an den Aufstieg zum Wendelstein. Im wieder lugt der arg verbaute Felskopf des Berges über den Bäumen hervor.

Die Terrasse beim WENDELSTEINHAUS ist gut besucht. Ich gönne mir ein Schnitzel aus der Selbstbedienungskantine; es ist frittiert und fad, wie kann es bei dieser Massenabfertigung anders sein. Wenigstens das Weißbier ist aus Rosenheim und schmeckt. Der letzte Zug der Wendelsteinbahn fährt nach Brannenburg hinunter, auch die Gondel nach Osterhofen sammelt die letzten Besucher ein. Es ist Zeit auf dem betonierten Weg die letzten Höhenmeter zum verbauten Gipfel zu laufen. Auf der weiten Aussichtsplattform bin ich ganz alleine. Die Ludwig-Maximilians-Universität München betreibt hier zwei Observatorien und bittet freundlich bei Sonnenuntergang den Platz zu verlassen. Doch ein netter Student erlaubt mir zu bleiben. Heute ist es wahrscheinlich eh zu windig, um den Himmel zu beobachten. Er sucht nach Planeten in weit entfernten Sonnensystemen und schreibt darüber seine Masterarbeit. Er warnt mich noch vor einem Gewitter um Mitternacht, er wird mich wecken, wenn es wirklich kommt. Dann bleibt viel Zeit zum Schauen. Trotz der trüben Sicht ist der Ausblick unbeschreiblich, am Horizont stehen die schneebedeckten Berge des Alpenhauptkamms.

Mitten in der Nacht leuchtet ein rotes Licht über mir: der Student. Das Gewitter mit Starkregen kommt in 40 Minuten. Erst bewundere ich das heranziehende Unwetter, das Donnergrollen wird immer lauter. Da ich mein Zelt nicht aufstellen kann, verkrieche ich mich in die kleine Kapelle, wo ich gerade Platz finde. Der Herrgott hätte es mir bestimmt erlaubt. Dann fängt es in Strömen an zu regnen. Zum Dank für die trockene Nacht werfe ich eine großzügige Spende in den Opferstock. Auch am Morgen ist keine Sonne in Sicht. So fahre ich mit der ersten Gondel nach OSTERHOFEN hinunter und nach Hause.

3 Gedanken zu “Vom Rotwandhaus über Bayerischzell zum Wendelstein

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